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Dez-2018

Reflektionen zu unserem bald 5-jährigen Bestehen

Allgemein   /  

Wenn das Jahr zu Ende geht, kommt man häufig einmal zum Nachdenken. Man denkt an vergangene schöne und nicht so schöne Momente und ist im besten Fall dankbar für die vielen Erfahrungen, die man in den vergangenen 12 Monaten gesammelt hat. Man überlegt sich aber auch, was man verändern möchte und welche Ziele man sich für das neue Jahr setzt.

Uns, die wir hinter STEP Africa stehen, geht das nicht anders! Zudem neigt sich nicht nur ein Jahr dem Ende zu, sondern wir nähern uns unserem 5-jährigen Bestehen, was für uns einmal mehr ein Anlass ist, die vergangenen Monate und auch Jahre Revue passieren zu lassen und uns zu überlegen, wie es ab hier weiter geht.

Hinter uns liegt ein Jahr voller großer und kleiner Herausforderungen. Personell gab es im Laufe des Jahres einige Änderungen, leider auch einige Schwierigkeiten. Unsere Programmkoordinatorin Kira, das bin ich ;-), war die meiste Zeit des Jahres aufgrund ihrer Elternzeit nur im Hintergrund tätig. Wir freuen uns, dass wir nun zum Jahresende mit gutem Gewissen sagen können, dass langsam wieder alte Routine eingekehrt ist. Auch wenn ich nicht mehr täglich im Hostel bin so haben wir in Upendo Lema eine zuverlässige und herzliche neue Freiwilligenbetreuung gefunden, die exzellent organisiert ist und sich ohne Schwierigkeiten in ihre anspruchsvolle Rolle hineingefunden hat.

Hinter uns liegt auch das erste Jahr in unserem neuen Freiwilligenhaus.  Aufgrund der renovierungsbedürftigkeit unseres alten Hostels erfolgte der Umzug vor einem Jahr recht kurzfristig und ging nicht ganz ohne Chaos einher. Auch mussten wir schnell feststellen, dass das Haus zu voll belegt war und haben mittlerweile unsere maximale Kapazität an Bewohnern deutlich reduziert, sodass sich jeder wohl fühlen kann.

Wir möchten diese Gelegenheit zuerst nutzen, euch über einige Änderungen zu informieren, die sich im Laufe des Jahres ergeben haben bzw. die wir im neuen Jahr umsetzen werden.

  • Unsere Freiwilligen haben den Wunsch geäußert mehr Kontrolle über ihre Projektspende (welche in der Anmeldegebühr enthalten ist) zu erhalten, bzw. diese in ihrem konkreten Projekt einsetzen zu können. Wir haben vollstes Verständnis für diesen Wunsch, da wir einsehen mussten, dass auch mit dem STEP Africa Fund nicht alle Projekte gleichmäßig und vollständig fair unterstützt werden konnten. Immer wieder mussten wir feststellen, dass das Geld, welches in Notfällen für andere Projekte ausgegeben wurde, den anderen wiederum fehlte. Mit etwas Wehmut aber mit gutem Gewissen und mit der Zustimmung unserer Projekte wird es daher ab 2019 keinen STEP Africa Fund mehr geben. Die Projektspende aus der Anmeldegebühr (200.000Tsh.) wird direkt unseren Freiwilligen ausgezahlt und sie werden in Absprache mit ihrem Projekt über die Verwendung entscheiden.
  • Wir werden in Kürze einen Absatz in unserem Handbuch ergänzen, der Tipps und Anleitungen zum Spendensammeln bereit hält. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass viele Freunde und Familienmitglieder unserer Freiwilligen gerne bereit sind etwas zu spenden, wenn sie wissen, dass das Geld von einer Person, die sie kennen, sinnvoll vor Ort eingesetzt wird. Dies soll auch unsere zukünftigen Teilnehmer dafür sensibilisieren, dass sie in Hilfsprojekten in einem Entwicklungsland mithelfen und trotz der besten tatkräftigen Helfer eben leider auch finanzielle Hilfen immer dringend benötigt werden. Wir versprechen euch, dass Spendensammeln und der Versuch das Projekt über den eigenen Einsatz hinaus zu unterstützen, sehr viel Spaß und Erfüllung bringen.
  • Wir feilen weiter an einer „Project Policy“, um die Kooperation mit nicht ordnungsgemäß operierenden Projekten zu vermeiden. Wir sind uns der großen Verantwortung, die wir als Freiwilligenorganisation tragen, bewusst und möchten in keinem Fall „Orphanage Tourism“ bzw. Projekte unterstützen, die nur zu dem Zweck gegründet wurden, ausländische Freiwillige und Touristen anzulocken und so Geld zu verdienen. Wir verstehen, dass dies eine Gratwanderung sein kann. In diesem Jahr haben wir uns aus gegebenem Grund und schweren Herzens von einem unserer Partnerprojekte verabschieden müssen.
  • Wir haben die Formalitäten für unsere Freiwilligen vor Ort deutlich erleichtert, da wir einsehen mussten, dass zuviel des Guten das Gegenteil bewirken kann. Es gibt daher keine Stundenzettel mehr und auch keine festgeschriebenen Urlaubstage oder formal geregelte Vorgehensweisen in Krankheitsfällen. Wir vertrauen auf die Aufrichtigkeit und Motivation unserer Teilnehmer, dass sie ihr Projekt während ihrer Zeit in Tansania an erste Stelle stellen und sind seit der Abschaffung dieser Formalitäten absolut nicht enttäuscht worden. Wer krank ist und nicht ins Projekt gehen kann, spricht dies mit der Projektleitung ab und muss nicht sofort eine Krankschreibung organisieren, wer sich das Land anschauen möchte koordiniert dies ebenfalls direkt mit uns und den Projekten, ohne dass jeder Tag gezählt wird. Wer seinen Einsatz als Praktikum anerkennen lassen möchte, spricht dies im Vorfeld mit uns ab, sodass sichergestellt ist, dass alle formalen Vorgaben der (Hoch-)Schulen eingehalten werden können.
  • Vor zwei Jahren haben wir nächtliche Schließzeiten für unser Hostel eingeführt, um die Sicherheit für die Bewohner zu maximieren. Wir haben diese nun dahingehend gelockert, dass neben den Wochenenden auch der Donnerstag als „Ausgehtag“ genutzt werden kann. Denn an diesen Tagen veranstaltet ein bekanntes „Kulturcafe“ in Arusha Tanzabende und wir wären wohl zu grausam, diese unseren Freiwilligen weiterhin vorzuenthalten 😉

Unser Ausblick auf 2019 und darüber hinaus:

Wir verstehen, dass Freiwilligenarbeit und Praktika in Entwicklungsländern immer wieder kritisiert werden und möchten mit dieser Kritik offen und konstruktiv umgehen. Man kann und darf einfach nicht alle Organisationen über einen Kamm scheren. Wir möchten jetzt und in Zukunft bewusst mit diesem Thema umgehen und auch unsere Freiwilligen hierfür sensibilisieren.

Niemand darf erwarten, dass ein Projekt ohne junge ausländische Helfer nicht auskommt. Das wäre fatal, denn es führt zu einer Abhängigkeit, die niemandem weiterhilft. Freiwillige sind IMMER zuvorderst Lernende! Freiwillige und Praktikanten, und deshalb setzen wir beide Begriffe häufig gleich, sollten niemals mit der Einstellung nach Tansania kommen, die Welt retten zu können. Jeder einzelne leistet einen wertvollen Beitrag, der aber richtig verstanden werden muss. Es geht nicht nur um die akute Mitarbeit im Projekt, es geht um das Verstehen kultureller Unterschiede und Besonderheiten, die Verständigung auf Augenhöhe, das Lernen wie die Dinge hier „laufen“ und es geht auch darum aus diesen Erfahrungen eigene Schlussfolgerungen für die persönliche und allgemeine Zukunft zu ziehen. Was leistet mein Projekt? Kann und möchte ich diesen Zweck vielleicht auch in Zukunft weiter fördern? Sei dies durch Spenden oder durch Weitererzählen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, den Einsatz nicht mit der Abreise zu beenden.

Freiwilligenarbeit ist eine Erfahrung, dir wir jedem wünschen, denn sie kann das ganze Leben prägen und die eigenen Grundsätze neu ordnen. Man lernt zudem mindestens genauso viel über sich selber wie über das Land und das Projekt. Man lernt unter anderen Freiwilligen und Einheimischen fast immer neue lebenslange Freunde kennen.

Und noch ein paar konkreter Ausblicke:

Wir haben in den letzten fünf Jahren auch gelernt, dass klassische Freiwilligenarbeit über eine Organisation, das Leben im Freiwilligenhaus, die Bindung an ein Projekt oder einen gewissen Zeitraum nicht jedermanns Sache ist. Viele Leute spielen mit dem Gedanken, ein Volontariat im Ausland zu leisten, möchten sich aber nicht an eine Organisation oder einen zeitlichen Rahmen binden…wissen aber oft einfach nicht, wo sie anfangen sollen.

Aus diesem Grund befindet sich derzeit eine Plattform im Aufbau, die unabhängig von unserer Organisation STEP Africa ab voraussichtlich der zweiten Jahreshälfte 2019 Reiseberatung und Reisevorbereitung für alle „Freigeister“ unter euch anbieten wird. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Und wo wir schon einmal dabei sind. In der Planung steht ebenfalls ein „Reward“ Programm für ehemalige Freiwillige, die unsere Organisation an neue Bewerber empfehlen. Ganz ohne Werbung geht es bei STEP Africa leider auch nicht, denn wer nicht sichtbar ist, wird nicht gefunden, aber anstatt große Portale zu bezahlen, möchten wir doch lieber unseren Ehemaligen für ihr Vertrauen und ihre Empfehlung ASANTE SANA sagen können. Weitere Details werden in Kürze auch auf unserer Homepage zu finden sein. Wenn ihr bereits jemanden weiterempfehlen möchtet oder ihr auf Empfehlung von uns gehört habt und mit dem Gedanken einer Anmeldung spielt, meldet euch jederzeit gerne bei mir.

Wir bedanken uns bei euch allen für die großartige Unterstützung der letzten Jahre und wünschen euch nicht nur eine wunderschöne Weihnachtszeit, sondern ein erfülltes, glückliches und gesundes neues Jahr!

Euer STEP Africa Team

UPDATE 31.12.2018: Nach einiger Überlegung haben wir uns dazu entschieden, die in der Anmeldegebühr enthaltene Projektspende für Anmeldungen ab Januar 2019 komplett abzuschaffen. Wir ermutigen unsere Freiwilligen stattdessen eigene Spenden zugunsten ihrer Projekte zu sammeln und diese eigenständig in ihren Projekten einzusetzen. Wir helfen bei der Suche nach einer geeigneten Verwendung dabei gerne weiter und setzen und mit unseren Freiwilligen und Projektleitern jederzeit zusammen. Durch diese neue Regelung erhoffen wir uns ein ganz neues Spendenbewusstsein bei unseren Freiwilligen zu wecken und sie für dieses wichtige Thema sensibilisieren zu können. Unsere Anmeldegebühr reduziert sich durch die Abschaffung der Inklusiv-Spende um 100€. Wir haben ein neues Spendenmerkblatt verfasst, welches Freiwillige im Vorbereitungsbereich downloaden können. Spenden sammeln soll weiterhin kein Zwang sein, sondern Spaß machen und die Motivation und Vorfreude für den Einsatz in Tansania wecken 🙂

 

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